Neue Wege: Von der Schule in die lerntherapeutische Praxis

Warum ich Kinder mit Rechenschwäche und Lese-Rechtschreib-Schwäche individuell begleite

Seit 14 Jahren arbeite ich als Lehrerin und begleite Kinder und Jugendliche durch ihren schulischen Alltag. In dieser Zeit habe ich viele unterschiedliche Lernbiografien erlebt – Kinder mit Freude am Lernen, aber auch Kinder, die sich anstrengen, viel üben und dennoch immer wieder an ihre Grenzen stoßen.

Besonders bewegt haben mich die Kinder und Jugendlichen, die trotz großer Bemühungen keine nachhaltigen Lernerfolge erleben. Es sind Kinder, die aufmerksam mitarbeiten, regelmäßig üben und dennoch im Lesen, Schreiben oder Rechnen unsicher bleiben. Häufig zeigen sich hier erste Hinweise auf eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS), eine Rechenschwäche (Dyskalkulie) oder Schwierigkeiten beim Erlernen einer Fremdsprache.

Aktuell bin ich noch als Lehrerin tätig und bereite parallel den Aufbau meiner lerntherapeutischen Praxis vor, die ich im August 2026 eröffnen werde. Diese Entscheidung ist für mich ein bewusster Schritt hin zu einer individuelleren Förderung von Kindern, die besondere Unterstützung im Lesen, Schreiben oder Rechnen benötigen.

Wenn Üben allein nicht ausreicht: Was Lerntherapie bewirken kann

Viele Eltern entscheiden sich zunächst für klassische Nachhilfe. Oft stellen sie jedoch fest, dass Kinder mit einer Rechenschwäche oder Lese-Rechtschreib-Schwäche trotz regelmäßigen Übens nur geringe Lernfortschritte machen.

Nachhilfe greift in der Regel den aktuellen Schulstoff auf und setzt grundlegende Kompetenzen voraus. Lerntherapie hingegen arbeitet ganzheitlich und ursachenorientiert. Sie setzt dort an, wo Basiskompetenzen noch nicht ausreichend aufgebaut wurden, und gibt dem Kind die Zeit, die es braucht, um Schritt für Schritt sicherer im Lesen, Schreiben und Rechnen zu werden.

Bei einer Rechenschwäche kann beispielsweise das Verständnis für Zahlen und Mengen nicht stabil entwickelt sein. Bei einer LRS zeigen sich häufig Schwierigkeiten im Bereich der phonologischen Bewusstheit oder beim Anwenden von Rechtschreibstrategien. In solchen Fällen reicht das bloße Wiederholen des Schulstoffs meist nicht aus.

Lerntherapie arbeitet deshalb kleinschrittig, strukturiert und individuell. Fehlende Grundlagen werden systematisch aufgebaut, Lernstrategien eingeübt und gefestigt. Das Lerntempo richtet sich dabei nach dem Kind – nicht nach dem Lehrplan. Ohne Druck und mit viel Geduld.

Lernen braucht Sicherheit und Selbstvertrauen

Ein zentraler Bestandteil der Lerntherapie ist auch die emotionale Ebene. Kinder mit Rechenschwäche oder Lese-Rechtschreib-Schwäche erleben häufig wiederholte Misserfolge. Nicht selten verlieren sie dadurch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und entwickeln Unsicherheit oder Vermeidungsverhalten.

Lerntherapie stärkt daher nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch Selbstvertrauen, Motivation und die Freude am Lernen.

Ich arbeite bewusst im Einzelsetting, denn gerade bei einer Rechenschwäche oder Lese-Rechtschreib-Schwäche ist eine individuelle Begleitung besonders wirkungsvoll. In der Eins-zu-eins-Situation entsteht ein geschützter Raum, in dem Kinder ohne Vergleichsdruck lernen können.

Hier ist Zeit zum Verstehen, Wiederholen und Festigen. Eine gezielte Diagnostik bildet die Grundlage für eine individuelle Förderplanung, die kontinuierlich an die Lernentwicklung des Kindes angepasst wird. Das Kind erhält unmittelbare Rückmeldung, klare Strukturen und die notwendige Ruhe, um Grundlagen nachhaltig zu verstehen und zu verinnerlichen.

Lerntherapie als ergänzender Förderweg

Wenn Sie bei Ihrem Kind feststellen, dass:

  • sich deutliche Lernlücken aufgebaut haben,
  • Lesen, Schreiben oder Rechnen trotz Übens große Schwierigkeiten bereiten,
  • Hausaufgaben zur täglichen Belastung werden,
  • Unsicherheit oder Vermeidungsverhalten zunehmen,
  • oder ein Verdacht auf LRS oder Rechenschwäche besteht,

kann Lerntherapie eine hilfreiche Ergänzung zur Schule sein.

Sie ersetzt nicht den Unterricht, sondern bietet einen zusätzlichen Raum, in dem Grundlagen aufgebaut, Lernprozesse gestärkt und neue Motivation entwickelt werden können.